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Gedenken zum Tag der Befreiung in Hohen Neuendorf

Am 22. April, dem Tag der Befreiung Hohen Neuendorfs, legten auf Initiative der LINKEN und der Stadtverwaltung Einwohner der Stadt Blumen auf dem Sowjetischen und Polnischen Ehrenmal nieder. Des Weiteren legte Botschaftsrat Danilin als Vertreter der Russischen Botschaft einen Kranz nieder und betonte in seiner Ansprache, wie wichtig die Freundschaft zwischen Deutschland und Russland sei. Auch brachte er den Wunsch zum Ausdruck, dass sich die politischen Beziehungen zwischen unseren Ländern wieder verbessern. Wir schließen uns diesen Wünschen ausdrücklich an. Lukas Lüdtke, Fraktionsvorsitzender der LINKEN, betonte, dass der Frieden zwischen Deutschen und Russen ein wertvolles Erbe ist, welches niemals aufs Spiel gesetzt werden darf.

Erstmals wurden in diesem Jahr Briefe eines in Hohen Neuendorf gefallenen und beigesetzten Rotarmisten verlesen, welche dessen Sohn vor einiger Zeit auszugsweise veröffentlicht hat. Mitglieder der LINKEN haben diese teilweise ins Deutsche übersetzt und Kontakt zu den Nachfahren aufgenommen. Die bisher übersetzen Auszüge werden nachfolgend dokumentiert; es folgen demnächst weitere.

7 сентября 1944 года, первое письмо после смерти мамы, адресованное бабушке: "Родная Мария Александровна, как оценить и чем твою заботу о ребятах, о моей семье, я не могу выразить на бумаге свою благодарность. Твой благородный поступок дает мне силу переживать мое горе. Очень хорошо, что ребята побывали в пионерских лагерях, закрепили свое здоровье, да и немного забылись. Как они выглядят, наверное, уже большие (он не видел нас более трёх лет). Лялька-моя дорогая бабуся, но, наверное, до окончательного разгрома гитлеровской Германии меня не пустят (в короткий отпуск). (…)

7. September 1944, erster Brief nach dem Tod der Mutter, adressiert an die Großmutter:
„Meine liebe Maria Alexandrowna, ich kann meine Dankbarkeit für deine Fürsorge für die Jungs, meine Familie, nicht auf Papier beschreiben. Deine großherzige Art gibt mir Kraft meinen Kummer zu überstehen. Es ist sehr gut, dass die Jungs im Pionierlager waren, ihre Gesundheit gestärkt haben und sich ablenken konnten. Wie sie nun aussehen – wahrscheinlich sind sie schon groß (er hatte uns schon über 3 Jahre nicht gesehen). Ljalka-Kolka ist nun schon Schüler. Wie gerne würde ich sie sehen, und Dich, mein liebes Großmütterchen, fest umarmen. Doch wahrscheinlich bekomme ich bis zur endgültigen Zerschlagung Hitlerdeutschlands keine Erlaubnis für einen Kurzurlaub. (…)

10 декабря 1944 года пришло письмо с территории Польши: "Я жив и здоров, учу польский язык, хожу на охоту за зайцами, двух уже съели. Погода ясная, мороз минус 3-5°.

Am 10. Dezember 1944 kam ein Brief aus Polen. „Ich bin am Leben und gesund, lerne Polnisch und gehe auf die Jagd nach Kaninchen – zwei aßen wir schon. Das Wetter ist klar, Frost, minus 3 bis minus 5 Grad.

18 апреля 1945 г (…): "Здравствуй, дорогой мой Черныш-мальчонка Коля! Поздравляю тебя с великим праздником 1 мая, с днём твоего рождения. Желаю тебе быть здоровым, крепким, сильным, смелым и всеми любимым" (Я всю свою жизнь стараюсь выполнять эти добрые пожелания отца). Он писал, что получил от меня два письма - первые послания отцу на фронт. "Ты, конечно, не знаешь, сколько радости принесли твои письма. Жду от тебя ещё писем. Твой Папуха каждый день помнит о тебе и о Седыше-Мише, находясь далеко, далеко, в чужой стране, где за каждым углом, из каждого окна, из-за дерева и куста смотрят на тебя злые, враждебные глаза, а при встрече - блудливые, угодливые, но готовые при малейшей оплошности уничтожить тебя. Но ладно, дорогой сынок, это не для тебя. Тебе не придётся бывать в проклятой гитлеровской Германии. Если ты и будешь в Германии, то это будет другая Германия, не похожая на эту, а гитлеровской Германии мы сделаем кончину в ближайшее время.

До свидания, крепко-крепко тебя целую. Расцелуй за меня Мишу и дорогую бабусю. Жду от тебя писем. Твой Папуха".

Я написал отцу ещё два письма, но ответа не получил.

18. April 1945
Sei gegrüßt, mein geliebter Kolja! Ich gratuliere Dir zum großen Feiertag, dem 1. Mai – Deinem Geburtstag. Ich wünsche Dir, dass du gesund, kräftig, stark, tapfer und von allen geliebt bist. (…) Du weißt nicht, wieviel Freude mir Deine Briefe bereiteten. Ich warte auf weitere Briefe von Dir. Dein Väterchen denkt jeden Tag an Dich, weit weg, im fremden Land, wo hinter jeder Ecke, aus jedem Fenster, aus Bäumen und Büschen, böse und feindliche Augen auf Dich blicken. Und jederzeit sind sie bereit, Dich wegen einer kleinen Unachtsamkeit zu vernichten. Aber gut, mein lieber Sohn, das ist nichts für Dich. Du musst nicht im verfluchten Hitlerdeutschland sein. Wenn auch Du in Deutschland sein wirst, dann wird dies ein anderes Deutschland sein, dass dem Hitler-Deutschland, dem wir bald ein Ende bereiten, nicht ähnelt.

Auf Wiedersehen, ich küsse Dich und gib Mischa und Babuschka von mir einen Kuss. Ich warte auf Briefe von Dir. Dein Väterchen

Ich schrieb Vater noch zwei Briefe, doch eine Antwort erhielt ich nicht.

 

Oberleutnant Michail Petrowitsch Elisarow kam am 2. Mai 1945, einen Tag nach dem Geburtstag seines Sohnes, ums Leben. Die genauen Umstände seines Todes sind uns noch unbekannt. Oberleutnant Elisarow und Millionen andere gaben ihr Leben für unsere Freiheit. Wir sind Ihnen zu ewigem Dank verpflichtet. Der Frieden zwischen Deutschland und Russland, zwischen Deutschen und Russen, ist unser Erbe, welches wir bewahren müssen und niemals aufs Spiel setzen dürfen.

Hier finden Sie einen Artikel der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom 24.04.2018 zum Thema.