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Erinnerungen bewahren – zur Mahnung für alle zukünftigen Generationen.

Professor Günter Morsch sprach am 27. Januar 2017 auf der Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus. Es war eine Rede mit vielen Namen und Details über jene, die im Zellenbau des KZ Sachsenhausen zu Tode kamen und stellte eine Frage: „Viele Anwesende werden sich fragen, warum all diese Details wichtig sind?“ Seine Antwort: Weil wir nur auf diesem Wege die Erinnerung daran wach halten, wie viele verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Geschichten und Hintergründen dem Terror, der Folter und der systematischen Ermordung durch die Nationalsozialisten zum Opfer fielen. Und er wies mit Nachdruck darauf hin, dass es keine Relativierung dieser Taten geben darf und auch das Gedenken deshalb kein Ende kennt. Mit einer Lesung aus Erinnerungen und Zeitzeugenberichten – umrahmt von Klaviermusik - führten Schülerinnen und Schüler des Georg-Mendheim-Oberstufen-Zentrums den Anwesenden vor Augen, welche Qualen Insassen des Zellenbaus durchlebten. Die Darbietung hinterließ spürbar tiefen Eindruck.


Wie jedes Jahr befanden sich Überlebende und Angehörige im Saal. Was empfinden sie wohl, wenn heute in verschiedenen Ländern Europas nationalistische Tendenzen zunehmen, Menschen anderen Glaubens, anderer Herkunft und Minderheiten vermehrt mit Ausgrenzung begegnet wird oder wenn politische Gegner mundtot gemacht und kritische Töne relativiert oder nicht ernst genommen werden? Und was denken Überlebende, wenn sie hören, dass in Deutschland Stimmen laut werden, die des Gedenkens an diese grausamen Taten überdrüssig sind und es nicht mehr für angemessen halten?


Es gibt heute einige Menschen, die meinen, die bestehende Gedenkkultur sei übertrieben oder die sich fragen: Was habe ich damit denn noch zu tun? Beim Gedenken geht es einerseits darum, die Opfer nicht zu vergessen. Aber es geht auch darum, sich immer wieder bewusst zu machen, welche gesellschaftlichen Umstände dazu geführt haben, dass es im Nationalsozialismus möglich war, unzählige Menschen zu entrechten, abzuwerten, einfach einzusperren, sie in Lager zu verschleppen und letztlich umzubringen. Welches Menschenbild wurde in der damaligen Propaganda gefestigt? Gedenken beschränkt sich nicht darauf, sich für etwas zu entschuldigen, das einem so weit weg erscheint oder Scham zu empfinden für die Taten, mit denen man persönlich nichts zu tun hat. Aber es gilt, sich immer wieder zu vergegenwärtigen, welche gesellschaftliche Stimmung, welche Werte, welches Tun oder auch Nichtstun den Verbrechen des Hitler-Regimes den Weg ebneten. Menschen verübten unfassbare Taten an anderen Menschen. Das darf sich nie wiederholen.


Leider wird es in absehbarer Zeit keine Überlebenden mehr geben, mit denen Zeitzeugengespräche geführt werden können, deren persönliches Schicksal man kennenlernen kann. Wer die Chance dazu noch hat, sollte sie nutzen. Umso wichtiger ist das Gedenken, ist weitere Geschichtsarbeit, um Erinnerungen wach zu halten und kommende Generationen zu mahnen. Dies sollte ein gesellschaftlicher Konsens sein und Aufgabe aller demokratischen politischen Akteure bleiben.