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31. Mai 2017

Rede von Elke Bär zur Kreisvolkshochschule

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Damen und Herren,

 

wir alle sind uns wohl einig, dass wir uns freuen und es wunderbar finden, wenn Oberhavel an der Spitze ist. Ich würde mich immer freuen, wenn Oberhavel Rankings wie „lebenswertester Landkreis“ anführt oder die Auszeichnung „besonders weltoffen“, vielleicht auch „Verwaltung besonders bürgernah“ bekommt. Das würde mich alles wirklich freuen. Was mich nicht freut, womit ich nicht einverstanden bin ist, wenn man Oberhavel nachsagt: „übertrieben knauseriger Landkreis, obwohl er es nicht sein müsste“ und ja, wir sind mit dieser Vorlage auf dem besten Wege dorthin.

Aber der Reihe nach.

1.        Die Landkreisverwaltung hat uns freundlicherweise Vergleichszahlen zur Verfügung gestellt. Wenn wir uns mal die Zahlen der Landkreise anschauen, die ungefähr zumindest annähernd die gleiche glückliche und zufriedenstellende Haushaltslage haben wie wir, nämlich Landkreis Oder Spree oder der Barnim, dann wird deutlich: mit der neuen Gebührensatzung wären wir die Teuersten! Das ist natürlich ein Titel den man unbedingt für sich beanspruchen muss.

2.       Des Weiteren geht es um die Anpassung der Honorarsätze für Lehrende oder freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Eine Angleichung der Honorarsätze an die aktuellen Lebensumstände und eine Erhöhung der Honorarsätze, um qualifizierte Lehrende binden zu können, werde ich immer unterstützen!
Aber dann lassen Sie es uns doch richtig machen!
Im Honorarverzeichnis Entwurf ist in der Honorarstufe 1 eine Spanne von 5-19,00 € vorgesehen für Menschen ohne spezielle Ausbildung. Wer leistet denn Arbeit die mit 5,00€ vergolten werden kann? Oberhavel sollte sich doch wohl zumindest an den gesetzlichen Mindestlohn halten und meiner Ansicht nach noch progressiver herangehen: Es darf kein Honorar unter 10,00€ pro Unterrichtseinheit ausgestellt werden. Das ist weder sozial, noch an den aktuellen Lebensumständen angemessen. Eine Fahrt von Zehdenick nach Oranienburg kostet 5,70€ - Wem mute ich denn zu 2 Stunden arbeiten zu müssen, um sich nicht mal Hin- und Rückfahrt leisten zu können?

3.       Dann gibt es noch etwas, was ich einfach nicht nachvollziehen kann. Um eine Teilnahmebescheinigung eines Kurses zu bekommen, muss ich als Kreisvolkshochschulbesucherin 2,50€ bezahlen? Ich könnte das irgendwie, ganz eventuell in ganz hoch verschuldeten und absoluten pleite-Landkreisen verstehen, aber doch nicht bei uns! Sie führen hier eine Sparpolitik auf Kosten der Bürger und das darf einfach nicht angehen!

4.       Ich nenne mal einige Beispiele womit ich nicht einverstanden bin: dass der Ferienkurs für Kinder und Jugendliche zwischen 12-15 Jahren „Mein Mittag koch' ich heute selbst!“ der am 28.07 von 10-14:00 Uhr stattfindet, 23,35 € pro teilnehmenden Kind kostet.
Ich wünsche mir, dass das kostenlos für die Kinder ist. Denn wir haben das Geld!
Der Kurs „Mein Bewerbungstraining“, welcher sich mit der Selbstpräsentation und derAufbereitung der eigenen Unterlagen im Bewerbungsprozess beschäftigt, nicht 23,00€ kostet für die Teilnehmenden, sondern kostenlos ist. Denn wir haben das Geld!
Das der Kurs „Der Laptop als Privatsekretär“ aus der Reihe „55Plus“, der an 5 Terminen im Oranienwerk stattfindet  nicht 45,00€ pro Person kostet, sondern kostenlos ist. Denn wir haben das Geld!
Alle Oberhavlerinnen und Oberhavler die daran Interesse haben polnisch zu lernen, sollen das tun können und keine 113,00€ pro Kurs dafür ausgeben müssen, denn Oberhavels Kassen geben das her!

Ich verstehe ja, dass wir das Geld nicht für Aufgaben des Bundes ausgeben wollen oder so ähnlich, aber das Steuergeld der Bürgerinnen und Bürger NICHT für die Bürgerinnen und Bürger ausgeben zu wollen und ihnen eine noch zusätzliche Gebühr abzuverlangen, die jetzt auch noch dazu erhöht werden soll, das ist mit mir nicht zu machen.

5.        

In der Antragsbegründung steht „Zur Fachkräftesicherung und auch zur Aufrechterhaltung, Sicherung und Weiterentwicklung des qualitativen Weiterbildungsangebotes ist ein flexibles, aktuelles, marktbewusstes und teilnehmerorientiertes Handeln erforderlich.“  Wissen Sie, es ist schon bezeichnend, dass in dieser Aufzählung der Punkt „Marktbewusstsein“ vor der Prämisse „teilnehmerorientiert“ kommt.  Dieser Antrag hat nichts mit „Bildung für alle“ zu tun, von der in der Beschlussbegründung gesprochen wird.

Wir blamieren uns mit diesem Vorhaben als reicher Landkreis unser Sparschwein auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger noch mehr mästen.

Ich erzähle meinen Schülern immer wieder wie wichtig lebenslanges Lernen ist. Nur durch eine stetige Weiter- und Fortbildung, durch Wissensdurst und Spaß am Fortschritt und an der eigenen Kompetenzerweiterung kann man in der heutigen Arbeitswelt bestehen. Die skandinavischen Länder zeigen uns doch wie erfolgsversprechend eine wirklich gebührenfreie Bildung ist. Schweden ist bspw. zu einem der innovativsten und fortschrittlichsten Länder Europas geworden.

 

Die Kreisvolkshochschule soll höhere Honorarsätze zahlen. Die Personal- und Sachkosten müssen umfassend gedeckt und sichergestellt werden. Es soll unbedingt auch eine neue Homepage geben, ich stimme damit absolut überein.  Und gerade deshalb, und weil mir die Bildung in all ihren Facetten so am Herzen liegt, kann ich dieser Vorlage nicht zu stimmen. Eine komplette Finanzierung durch den Landkreis wäre angemessen, sinnvoll und bürgernah!